Ich möchte das Thema gern zur Diskussion stellen, da mich Erfahrungen anderer Blog-Teilnehmer interessieren. Sicherlich ist dies, was ich in der Überschrift genannt habe, dem Einen oder Anderen auch schon passiert.
Der folgende Ablauf: Ich war die letzten fünf Jahren zufriedener Kunde bei der Volksbank Hamburg. Wie es einem Selbständigen so geht, der nicht – wie ein Angestellter – am Anfang des Monats sein Gehalt auf dem Konto hat, gehen meine Einnahmen unregelmässig auf meinem Konto ein. Wann die Kunden eben überweisen. Daher kommt es vor, dass eine Lastschrift auf meinem Konto eingeht, das Konto kurzfristig aber nicht gedeckt ist und sie wieder zurückgeht. Am nächsten Tag ist die Überweisung des Kunden da, für die Lastschrift kommt sie aber zu spät … Ein Ärgernis für mich und für die Bank bzw. meinen Kundenberater.
Ich habe die letzten fünf Jahre circa vier Kundenberater bei der Volksbank erlebt. Alles junge Kerle, immer adrett aufgemacht mit Anzug und Krawatte, wie man in einer Bank so arbeitet – eben etwas förmlich und steif. Ich habe mich bisher mit jedem dieser Kundenberater „zusammengerauft“, nachdem sie nach kurzer Zeit sahen, wie meine Kontoführung abläuft – siehe oben. Dann war das Ganze kein Thema mehr.
Nun bekam ich vor einigen Monaten wieder einen neuen Kundenberater, der diesmal aber nicht in der Zweigstelle der Volksbank in meinem Stadtteil arbeitet. Sondern irgendwo anders in Hamburg. Er hat mich noch nie gesehen, mir noch nie die Hand gedrückt und noch nie ein persönliches Gespräch mit mir von Angesicht zu Angesicht geführt. Er überwachte die letzten Monate aus der Ferne meine Kontoführung. Dann kam er auf die Idee, wegen irgendwelcher Missstände, die ihm nicht passten, mir mein Girokonto zu kündigen.
Ein Kündigungsschreiben mit einem formlosen Dreizeiler unter Bezug auf einen Paragrafen der AGB. Fertig! Was eine Girokontokündigung für einen Selbständigen bedeutet, ist wohl jedem klar: Zunächst einmal keine Teilnahme mehr am bargeldlosen Zahlungsverkehr und dadurch immense (finanzielle) Probleme.
Meine Intervention bei seiner Vorgesetzten brachte zunächst Erfolg. Beide lenkten ein und verlängerten das Girokonto bis Ende diesen Jahres, als Probezeit. Dann wollte man endgültig entscheiden.
Nun, eine zurückgegangene Lastschrift – wie oben beschrieben – einige Wochen danach brachten alles wieder ins Rollen. Diesmal die fristlose Kündigung, Ende der Probezeit.
Mein Problem war nun, dass ich einen negativen Schufa-Eintrag habe. Von einer Kreditkartenabwicklung, die schon bezahlt und ausgeglichen ist. Aber immer noch bei der Schufa vermerkt ist. Eine entsprechende Auskunft der Schufa hatte ich mir schicken lassen.
Es folgten nun zur Eröffnung eines neuen Girokontos endlose Telefonate mit verschiedenen Banken: Der Sparda-Bank, der Commerzbank und einigen unbekannten Banken, die es nur in Hamburg zu geben scheint. Und immer fiel der Satz, sobald ich den negativen Schufa-Eintrag erwähnte: „Da ist unser Gespräch leider beendet, wir haben in diesem Fall keine Möglichkeit, Ihnen ein Girokonto zu eröffnen.“
Ein Tipp der Verbraucherzentrale war die Ethik-Bank. Diese ist aber nur für die ganz Hartgesottenen, die ein Schuldenabwicklungsverfahren mit einem Vergleich o.ä. am Hals haben. So tief war ich nun nicht gesunken, Schulden habe ich keine, nur kein Girokonto und den negativen Schufa-Eintrag. Aber da spielt die Ethik-Bank auch nicht mit. Für diese Bank muss man schon ganz ausgeknockt am Boden liegen. Also bekam ich dort auch eine Ablehnung. Ein schriftlicher Antrag bei der Deutschen Kredit-Bank scheiterte auch …
Aber – oh Freude – die Postbank schickte mir auf meinen schriftlichen Antrag einen dicken Briefumschlag, der mich schon von außen erahnen ließ, dass er zu dick war, als dass er eine Ablehnung hätte enthalten können. Nun, er enthielt ein Begrüßungsschreiben als neuen Kunden, etliche sonstige Unterlagen und Broschüren … und nun bin ich Kunde bei der Postbank. Nochmal gut gegangen.
Was mich bei der ganzen Angelegenheit so verärgert hat, war, dass diese Kontokündigung ja fast schon ein existenzieller Einschnitt ist wie eine Kündigung der Wohnung. Man kann ja nicht mal sein Honorar vom Kunden bekommen. Denn der zahlt sicher nicht cash aus, wenn ich bei ihm vorbeifahre und das Geld abholen will. Die Kontokündigung ist also wirklich eine sehr schwerwiegende Sache.
Und was mich noch mehr ärgert, ist die Tatsache, dass die Bundesregierung zwar einen Gesetzesentwurf verabschieden will, dass jeder Bundesbürger ein ANRECHT auf EIN Girokonto hat – nur ist dies noch nicht als Gesetz erlassen, sondern es ist bei einer Selbstverpflichtung der Bank- und Kreditinstitute geblieben. Wenn denen Deine Nase nicht passt, dann sind sie nicht gezwungen, Dir ein Girokonto zu eröffnen und zeigen Dir die Tür.
Also, meine Forderung: Verabschiedet endlich dieses Gesetz und macht es rechtlich zu einem legitimen Anspruch, der auch eingeklagt werden kann, dass man als Bürger EIN Girokonto eröffnen kann.
3 Responses to “Ärgernis: Girokonto-Kündigung”
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April 7th, 2009 at 18:55
Kenne – besser: kannte das Problem. Um nicht irgendwo im Termin blöd dazustehen, habe ich mir eine Karte für ein virtuelles Konto bestellt. Das kann eben nicht gepfändet werden. Und sechs Euro im Monat ist mir das wert. Die Karte sieht nämlich genauso aus wie eine „normale“.
April 7th, 2009 at 20:24
Hallo, Berliner Hexe, wo hast Du dieses virtuelle Konto denn eröffnet? Geht das ohne Probleme? Denn auch Internetbanken prüfen z. B. auf Schufa-Einträge usw. Kannst Du einen Link posten?
August 9th, 2009 at 12:54
Da ich lange Jahre selbst in der selbständigen Branche unterwegs war kenne ich die Problematik allzugut, jedoch der negative Schufaeintrag irritiert mich.
Zu dem Thema Schufa, kann ich dir den Tipp geben eine Onlineauskunft zu beantragen, kostet einmalig so um die 10 Euro und du kannst jederzeit in deine Schufadaten mal reinsehen. Wenn das Konto nicht negativ war, würde ich rechtlich dagegen vorgehen –> was auch kein Problem darstellen sollte. Eine Bank die jeden nehmen muss (daher die schlechten Konditionen) ist die Sparkasse, falls es sich mit dem Schufaeintrag nicht lösen lässt.
Vielleich interessieren dich diese beiden Links aus älteren Blogeinträgen meinerseits.
Zum einen dieser hier.
http://www.hainmd.de/webblog/2008/09/der-dispo-bis-zum-hals/
und der andere wäre:
http://www.hainmd.de/webblog/2008/08/schufa-loschung-von-eintragen/
generell hilft allerdings nur schnelles handeln bzw. entsprechende Kommunikation mit den Bank, oftmals lassen diese sich weichklopfen und dich kündigen, was keinen negative Eintrag zur folge hätte, wenn dann das Konto ausgeglichen ist.
Ich wurde auch schon fälschlicherweise dank der ING DIBA in die Schufa gestellt, obwohl ich meine Rückzahlung unter deren Bedingungen eingehalten habe, nachdem ich dann mit dem Anwalt ankam, haben diese schleunigst den Eintrag gelöscht.
Gruß
Henrik